Vortäge und Referenten

Michaela Huber
Präsentation zum Vortrag (PDF)
Graphic Recording (PDF)

„Der lange Schatten des Traumas“

Unwillkürliche Reaktionen nach Trauma aller Art sind sehr quälend: Man erlebt Teile der überwältigenden Erfahrungen seelisch und körperlich immer wieder. Als gequältes Kind, Jugendliche/r oder Erwachsene/r schlägt man sich mit Schlafstörungen, Nervosität und Impulsen herum, sich selbst von anderen abzuschotten oder den inneren Druck gegen sich oder andere „abzulassen“. Bei diesen Reaktionen nach seelischen Erschütterungen gibt es erhebliche geschlechtsspezifische Unterschiede. Wir erweitern den Blick auf die transgenerationalen Prozesse. Etwa: Wie sieht es aus, wenn unverarbeitete Traumatisierungen aus Kriegserlebnissen, häuslicher bzw. sexualisierter Gewalt die Mutter bzw. den Vater in ihrer Möglichkeit beeinträchtigen, einem Kind sichere Bindung anzubieten? Wie bemerken wir an Kindern und Jugendlichen, ob sie mit Gewalterfahrungen direkt oder indirekt in Berührung gekommen sind? Und gibt es Empfehlungen, was wir dann tun können.

Michaela Huber, Psychologische Psychotherapeutin, Supervisorin und Ausbilderin in Traumabehandlung. Sie zählt in Deutschland zu den wichtigsten Vertreter_innen der Psychotraumatologie mit Schwerpunkt Dissoziative Persönlichkeitsstörungen. Sie ist Trägerin des Bundesverdienstkreuzes.

Andreas Grunau
Graphic Recording (PDF)

Polizeilicher Umgang mit Opfern einer Sexualstraftat

Andreas Grunau, Kriminalhauptkommisar beim K13, schildert den polizeilichen Umgang mit Opfern einer Sexualstraftat.
Hierbei wird er die Rahmenvoraussetzungen für ein Strafverfahren erklären und welche Maßnahmen durch die Polizei, gerade bei einer Anzeigeerstattung, erfolgen. Weiterhin werden die Möglichkeiten und die Arten der polizeilichen Vernehmung vorgestellt. Dies natürlich immer im Sinne des Opferschutzes und unter Vermeidung einer Retraumatisierung.
Auch wird der Referent auf die Frage eingehen, inwiefern Strafverfahren noch sinnvoll und zielführend sind, wenn seit der Tat viel Zeit – oft auch Jahre – vergangen sind. Die Möglichkeiten, dann noch ein beweiserhebliches Strafverfahren zu führen, sind limitiert, jedoch möglich. Hierbei ist beispielsweise die „Befundung ohne Anzeige“ hilfreich.
Im Gesamten soll der Vortrag und auch die anschließende Fragerunde dazu dienen, Berührungsängste zwischen der Polizei und den anwesenden Zuhörer_innen abzubauen und einen Einblick in die Arbeit der Polizei zu geben.

Pauline C. Frei
Präsentation zum Vortrag (PDF)

„Meine fünf Lebensretter – Der lange Weg raus aus dem Dunklen“

Pauline Frei ist Coachin, Autorin, Überlebende ritueller Gewalt
Frau Pauline C. Frei, Überlebende von ritueller Gewalt, schaffte als junge Frau den Ausstieg und begleitet seit vielen Jahren Betroffene und deren Helfer_innennetzwerke beim Lösen aus destruktiven, zerstörenden Verbindungen.
Seit zwei Jahren moderiert sie eine Viele-Mail-Liste für Menschen mit dissoziativer Identitätsstruktur und schrieb mit Michaela Huber die Bücher „Leiden hängt von der Entscheidung ab“ und „Von der Dunkelheit zum Licht“, Junfermann Verlag.
Pauline C. Frei sagt über sich und ihren Lebensweg, dass es am Anfang ihres Weges weit und breit niemanden mit einer ähnlichen Geschichte wie sie selbst bis dahin erlebt hatte, gegeben hätte. Sie habe sich damals sehr gewünscht, Kontakt zu Überlebenden zu haben.
Es wurde für sie zu ihrem Lebensziel den Ausstieg aus destruktiven, zerstörenden Beziehungen zu schaffen, ihre Erfahrung und ihr Wissen weiterzugeben und damit anderen Betroffenen zu helfen.
Denn, so sagt sie selbst: „Es ist möglich den Sumpf zu verlassen, es ist möglich mit dem was im Inneren zersplittert ist, zusammen zu wachsen, und es kann sehr wohl ein Leben danach geben.“ Aus ihrer jahrelangen Erfahrung weiß sie, dass der Kontakt und das Gespräch mit bereits ausgestiegenen Frauen für die Opfer äußerst wichtig sein kann.
Es ist ein langer mühsamer Weg und auch steiniger Weg, der sehr viel Kraft, Mut und Durchhaltevermögen benötigt. Über all ihre dies und vieles mehr wird sie berichten.

Jessica Mosbahi, Referentin für Menschenrechte und Politik, Medica Mondiale
Präsentation zum Vortrag (PDF)
Graphic Recording (PDF)

Frauen auf der Flucht

Zurzeit befinden sich weltweit rund 65 Millionen Menschen auf der Flucht vor Krieg, Terror, Verfolgung oder Hunger. Knapp die Hälfte von ihnen sind Frauen.
Laut Angaben der Deutschen Bundesregierung haben von Januar bis September 2016 rund 643.000 Menschen erstmals Asyl in Deutschland beantragt. Ein Drittel von ihnen waren Frauen.
Auch unter den vielen Menschen, die täglich in Griechenland und auf den griechischen Inseln Zuflucht suchen, waren laut Angaben der Vereinten Nationen bis Ende Januar mehr als die Hälfte Frauen und Kinder. Der Frauenanteil an der weltweiten Migrationsbewegung ist also groß.
Nicht selten haben die Frauen, die in Deutschland ankommen, ein Martyrium hinter sich. Ein Martyrium deshalb, weil viele von ihnen bereits in ihrem Heimatland sexualisierte Gewalt oder andere Formen geschlechtsspezifischer Gewalt erlebt haben und auch während der Flucht multiplen Formen von Gewalt ausgesetzt sind.
Jessica Mosbahi spricht in ihrem Vortrag über das Kontinuum geschlechtsspezifischer Gewalt, dem zahlreiche flüchtende Frauen und Mädchen ausgesetzt sind, auch im vermeintlich sicheren Zielland. Dabei zeigt sie auf, welche besonderen Bedarfe geflüchtete Frauen und Mädchen haben und wie eine entsprechende deutsche Asylpolitik aussehen müsste.